Wagenplatz Rad*Aue im Exil: Wir kommen wieder!

Jena. Die Fläche des ehemaligen Wagenplatzes Rad*Aue am Steinbach ist am Dienstagvormittag matschig und trist. Nur eine Kunstinstallation erinnert an den Trubel des Wagenlebens, welches noch vor einer Woche hier blühte. Auf einer alten Bank sitzt ein Skelett und reckt dem interessierten Passanten ein Schild entgegen: „Wir kommen wieder!“.

Nach und nach füllt sich der Platz wieder mit Leben. Zahlreiche Unterstützer*innen treffen ein. Sie sprühen mit grellen Farben, auf meterlangen Papierrollen, ihre Forderungen. Kinder spielen und Hunde wuseln über die Schotterfläche. Die Stimmung ist gedrückt – aber auch entschlossen. Man will sich nicht abfinden, dass etwas, was überall in Deutschland möglich ist – in der Lichtstadt unmöglich sei. Zahlreiche Pressevertreter*innen begleiten das bunte Treiben.

Auch der Wagenplatz – nun im Exil – zeigt sich entschlossen – in einem vorbereiteten Statement kündigen sie an: „Wir brauchen jetzt mal eine Verschnaufpause. Aber wir werden weitermachen. Und wir haben bisher bewiesen, dass wir einen langen Atem haben. Möglicherweise einen längeren als der OB“.

Dass nach vier Stadtratsentscheidungen mit deutlichen Mehrheiten für den Wagenplatz nicht einmal eine vorübergehende Alternativfläche in Jena angeboten werde, entlarve das konservative und unflexible Vorgehen der Verwaltung vollends. „Mitgestaltung, Vielfalt und Toleranz gegenüber anderen Lebensvorstellungen sind allenfalls Worthülsen zur Imagepolitur – kleingeistige Vorurteile und Verdrängung prägen leider vielmehr das derzeitige Handeln der Stadtspitze, und das nicht nur in Bezug auf den Wagenplatz.“ meint Platzbewohner Volker Czerny.

Den Bewohner*innen ist wichtig auch nochmal auf die Faktenlage hinzuweisen: „Das Votum des Stadtrats war bisher mehr als eindeutig. Und das Urteil des Verwaltungsgerichts Gera sagt an keiner Stelle, dass Wagenplätze illegal oder nicht legalisierbar seien. Darüber hinaus haben die letzten zwei Jahre gezeigt, wie groß der Bedarf in Jena an selbstverwalteten Projekten, unkommerziellen Veranstaltungen und Räumen der Kreativität ist“ (Richard Löwenberger / Rad*Aue).

Nun mussten die Bewohner*innen ihre Wägen abstellen und Unterschlupf bei Freund*innen finden. Sie wurden an geeigneten Standorten geparkt. Was nach dem Auszug der Rad*Aue bleibt, ist eine leere Schotterfläche. „Aber möglicherweise ist diese Tristesse Nitzsches Vorstellung von Jena“ meint Volker Czerny. Seine Vorstellung von Ordnung habe er durchgesetzt – fürs Erste.

Oberbürgermeister Nietzsche will sich, am morgigen Mittwoch, zum Wagenplatz äußern.

Autor: Martin Michel

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2 Kommentare

  1. Na da haben die Platzbesetzer aber noch mal richtig auf die Kacke gehauen.

    Fakt ist daß sie jahrelang ein städtisches Grundstück ohne Genehmigung und in nicht genehmigungsfähiger Form genutzt haben, was nur durch den Linkskuschler Schröter möglich war.

    Liebe RadAuer, euch mögen die Gesetze nicht gefallen aber sie gelten für alle.

    Anmerkung der Redaktion:
    Die Radaue hat das Grundstück nicht Jahrelang ohne Erlaubnis benutzt. Es gab eine Duldung durch Stadtrat und Oberbürgermeister. Nur während des laufenden Gerichtsverfahrens haben sie den Platz rechtswidrig genutzt. Nach dem Urteil haben sie den Platz verlassen.

  2. @Redaktion: richtig lesen, zwar mit Duldung aber ohne daß eine Genehmigung nach geltendem Recht vorlag oder möglich wäre.
    Die Duldung war nur Peisker und Schröter zu verdanken die hier Verwaltungsrecht mißachtet haben.

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