Samstag, Dezember 10

Theaterhaus und Philharmonie zeigen: »Musik – Etappen einer Skandalgeschichte«

Bild: Joachim Dette/Theaterhaus Jena

Buhrufe drängen aus den Zuschauerrängen auf die Bühne. „Aufhören!“ „Ich will mein Geld zurück!“ Schrille Töne aus Klarinette, Flöte und Tuba steigern sich, während der Dirigent krampfhaft den Takt zählt. Trotz der Zwischenrufe müssen Musiker*innen und Schauspieler*innen nicht beunruhigt sein, denn sie sind kein schlechtes Feedback für die Menschen auf der Bühne, sondern gehören zur Inszenierung. Die Szene auf der Bühne des Theaterhauses stellt die Premiere von Strawinskis „Frühlingsopfer“ nach, die am 29. Mai 1913 im Pariser Théâtre des Champs-Élysées für einen Skandal sorgte.

„Musik – Etappen einer Skandalgeschichte“ lautet der Titel des Stücks, das am 16. Februar 2022 seine Premiere feierte. Bedeutende Ausschnitte der modernen Musikgeschichte reiht das Stück mosaikartig aneinander. Bei der Inszenierung kooperierten Theaterhaus und Jenaer Philharmonie. Musiker*innen der Philharmonie spielen Ausschnitte aus den Musikstücken, die Schauspieler*innen schlüpfen in die Rolle von historischen Personen. Auch bei der Ausarbeitung des Stücks haben Theaterhaus und Philharmonie eng zusammengearbeitet. Als Vorlage diente das Buch „The Rest is Noise: Das 20. Jahrhundert hören“ des Amerikanischen Musikkritikers Alex Ross. Der Generalmusikdirektor der Jenaer Philharmonie Simon Gaudenz beschreibt den Kooperationsprozess von Musik und Schauspiel folgendermaßen: „Beide versuchen in die Rolle der anderen zu schlüpfen. Die Schauspieler*innen haben extrem viel über Musik gelernt und umgekehrt haben auch die Musiker*innen auf der Bühne gelernt, schauspielerisch aus sich herauszugehen und Dinge zu wagen, die sie vorher gar nicht für möglich gehalten hätten.“

Wie andere Produktionen des Theaterhauses verfolgt auch diese Koproduktion einen gesellschaftskritischen Anspruch. Die Reinszenierung der musikgeschichtlichen Episoden soll Wechselwirkungen zwischen Neuerungen in der Kunst und gesellschaftlichem Wandel sichtbar machen. Laut Regisseurin Lizzy Timmers soll das Stück Prozesse der Kanonbildung hinterfragen und die männliche Dominanz in der Musikgeschichte beleuchten. Exemplarisch ist hierfür die Episode von Alma Mahler. Ihr Ehemann Gustav Mahler, der heute als Komponist erinnert wird, unterband ihr musikalisches Schaffen und zwang sie trotz ihres musikalischen Talents in die Rolle der Hausfrau.

Das Theaterhaus Jena und die Philharmonie zeigen „Musik – Etappen einer Skandalgeschichte“ am 16. 17. und 18. Februar und in einer zweiten Runde am 10. 11. und 12. März jeweils um 20:00 Uhr. Die geltenden Coronaschutzmaßnahmen können auf der Website des Theaterhauses (https://www.theaterhaus-jena.de) eingesehen werden.

Quirin Hacker

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