Beirat Soziokultur: gegen Kürzungen im Bereich Kultur, Bildung und Soziales!

Symbolbild Foto: Wendy Wei/Pexels

»Können wir es uns wirklich leisten, in Zeiten von Verschwörungsspinnereien und einem erstarken rechter Gruppierungen auf die Soziokultur zu verzichten?«

Mit Besorgnis nehmen die soziokulturellen Akteurinnen der Stadt die Debatten über mögliche Kürzungen im Bereich Kultur, Bildung und Soziales wahr. Streichungen im Bereich der freiwilligen Leistungen der Stadt Jena anzukündigen gleicht einer Lose-Lose-Situation für die Soziokultur und die Stadtgesellschaft.

Dabei waren es soziokulturelle Initiativen, die den Zusammenbruch von Strukturen während des Lockdowns kompensiert haben: Die unzähligen Nachbarschaftshilfen, die das Einkaufen, sowie Botengänge für Risikogruppen übernommen haben oder engagierte Menschen der Initiative Foodsharing Jena, die die Logistik der Tafeln aufrecht erhalten haben. Auch die verschiedenen Bühnen und Clubs, die in unglaublicher Geschwindigkeit das digitale Format „zwo20“ auf die Beine gestellt haben und die Kulturvereine und Initiativen, die an kreativen Lösungen seit der ersten Stunde des Lockdowns arbeiten, haben maßgeblich hierzu beigetragen. Und es gab jene, die teilweise mit einfachsten Mitteln viel erreichen konnten, wie die „Saale-Stein-Aktion“ des Kultiversum e.V., der Stream des cellu l‘art-Filmfestivals, die digitalen Proben des Freie Bühne Jena e.V. oder das Autokino des FILM e.V. Jena und viele viele mehr. Sie alle haben sich auf die Suche nach Lösungen für kulturelle Angebote gemacht, die auch während strenger Hygienemaßnahmen möglich sind.

Nun anzukündigen, dass es diese Bereiche sind, die von Kürzungen betroffen sein könnten, wird ihrer Arbeit für kulturelle Vielfältigkeit und ein friedliches demokratisches Miteinander nicht gerecht. Können wir es uns wirklich leisten, in Zeiten von Verschwörungsspinnereien und einem erstarken rechter Gruppierungen auf die Soziokultur zu verzichten? Oder sollten nicht gerade diese genannten Formen demokratischer (Willens-)Bildung im Vordergrund stehen?

Wir müssen nun gemeinsam dafür Sorge tragen, dass jetzt durch abrupte Kürzungen Strukturen zerstört werden könnten, die über Jahre hinweg mühsam aufgebaut wurden. Der Erhalt von Förderleistungen und der institutionellen Förderung von Vereinen ist zwingend notwendig, damit weiterhin Straßenfeste, interkultureller Austausch, das Erlernen und Erleben demokratischer Strukturen, Kooperationen von kulturpädagogischen Projekten mit Bildungseinrichtungen und die Förderung von Nachwuchskünstlerinnen möglich bleiben (und diese Aufzählung ist bei weitem nicht vollständig).

Wir – die Bürgerinnen der Stadt, wie auch die Akteurinnen der Soziokultur – brauchen weiterhin die Möglichkeit zum Wahrnehmen und Gestalten von Angeboten zum Kreativ werden, zum Mitmachen, zum Nachdenken und zum Regenerieren. Noch während, aber vor allem nach dem Lockdown, sind Investitionen nötig, um Formate an die besonderen Hygieneschutzbestimmungen anzupassen und der Kulturszene die Möglichkeit zu geben, weiter eine wichtige Gestalterin einer demokratischen Stadtgesellschaft zu sein.

Der Beirat für Soziokultur spricht sich deshalb entschieden gegen Kürzungen im Bereich Kultur, Bildung und Soziales aus und empfiehlt ausdrücklich eine Aufstockung der Fördermöglichkeiten, um den gestiegenen Anforderungen angemessen Rechnung tragen zu können.

Für ein lebendiges und buntes Jena.

Beirat für Soziokultur Jena

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