Jena: gemeinsame Kampagne von AfD, FDP und CDU?

Merkwürdiges Plakat in Jena (Johannisplatz). Bild: Martin Michel, Libertad Media

In Jena tauchen seit Samstag Plakate einer Kampagne „Freiheit statt Sozialismus“ in der Innenstadt auf. Unterzeichnet sind sie mit den Logos der FDP, AFD und der CDU. Das antifaschistische Bündnis Jugend gegen Rechts machte erstmalig auf die Darstellung aufmerksam. Die Aktivist*innen sehen in den Plakaten „einen weiteren Beweis dafür, dass die Parteien der „Mitte“ sich schon lange mit den Faschisten der AFD verbündet“ hätten. Eine nachvollziehbare Reaktion nach der Wahl des FDP Politikers Thomas Kemmerich am 5. Februar 2020 zum Ministerpräsidenten des Freistaates. Möglich durch die gesammelten Stimmen aus den Fraktionen der FDP, CDU und AFD. Welche genauen Absprachen es dabei gab ist nicht restlos geklärt.

Die Sache ist jedoch etwas komplizierter. Es handelt sich bei den Plakaten höchstwahrscheinlich um eine Fälschung. Vertreter von CDU und FDP bestätigten gegenüber Libertad Media, dass es sich definitiv nicht um Plakate ihrer Parteien handelt. Es ist also wahrscheinlich ein sogenanntes Adbusting.

Für diese Annahme sprechen einige gewichtige Indizien. Die Logos der Parteien sind falsch. Statt der regionalen Stadtverbände zeigen sie Logos der Bundesparteien. Die Plakate sind illegal verklebt. Dies ist ungewöhnlich für die scheinbaren Urheberparteien. Das gesamte Design des Plakates wirkt amateurhaft und aus der Zeit gefallen. Auch die verwendeten Bilder machen misstrauisch: sie entstammen einer Presseveröffentlichung der FDJ. Auf dem Bild sind zwei satirische Demonstrant*innen der FDJ zu sehen, die sich über die Gegendemonstrant*innen lustig machen wollen. Beide Personen liefen im weiteren Verlauf des Tages auf der FDJ-Demonstration.

Die Plakate könnten natürlich auch von linken Gruppen aus Jena stammen. Es gab auch Kritik an den Gegenprotesten der bürgerlichen Parteien. Mit Parolen wie „Kapitalismus ist Freiheit“ sind in Jena nicht wenige Menschen absolut nicht einverstanden. Dagegen spricht allerdings, dass die aufgetauchten Plakate Inhalte anderer linker Gruppen überklebt haben. So wurden zum Beispiel Plakate der Klimagerechtigkeitsbewegung gegen den Braunkohlekonzern RWE unkenntlich gemacht.

Am wahrscheinlichsten entstammen die Plakate dem „Kampagnenbüro“ der FDJ. Gleichzeitig tauchten auch weitere FDJ-Plakate auf, die eine Demonstration in zwei Wochen in Jena-Lobeda ankündigen. Ihr Pressesprecher Jan Haas hat unsere telefonische Anfrage im Gespräch abgebrochen. Auch schriftlich wollte er keinen Kommentar zur Urheberschaft abgeben.

Martin Michel

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