Widerstand2020 darf in Jena nicht laufen – Gegenprotest mit dreimal mehr Teilnehmer*innen und Umzug

Jena. In der zweiten Woche in Folge protestierten Antifaschist*innen gegen den „Spaziergang“ der verschwörungstheoretischen Bewegung „Widerstand2020“ in der Jenaer Innenstadt. Die „Spaziergänger“ vom Widerstand wurden hingegen von Polizei und Ordnungsamt gestoppt. Sie hatten ihre Demonstration nicht angemeldet und keinen Mund-Nasen-Schutz dabei. Auch fanden sich keine Anmelder*in für eine Spontandemonstration. Unter diesen Umständen ist unter den aktuellen Coronaverordnungen eine Demonstration verboten.

Am Gegenprotest beteiligten sich 43 Personen. In Redebeiträgen wurde die neuartige Bewegung kritisiert. Ihre Forderungen nach Aufhebung der Coronaschutzmaßnahmen seien unsolidarisch gegenüber den Risikogruppen und egoistisch. Auch wurde das gemeinsame Auftreten mit Rechtsextremist*innen und Reichsbürger*innen kritisiert. Die Kundgebung war unter dem Motto: „Wer mit Nazis marschiert, hat nichts kapiert. Kein Platz für Rechte Propaganda“ angemeldet.

Nach Informationen des Rechercheportals Jena-Saale-Holz-Land-Kreis gibt es enge Verbindungen der neuen Bewegung in die rechtsextreme Szene. Der Anmelder des Spaziergangs am vergangenen Samstag in Gera sei Marek Hallop. Hallop sei „Rechtsextremer und Reichsbürger“ und noch vor eineinhalb Jahren bei PEGIDA-Demonstrationen in Gera mitmaschiert. Hallop habe sich auch einen Reichsbürgerausweis gebastelt, die Antifaschist*innen bezeichnen ihn daher als „Prototyp des Verschwörungsideologen“. In sozialen Netzen habe er sich auch für die Freilassung des Rechtsextremisten David Köckert ausgesprochen oder „um Unterstützung für die Antisemitin Ursula Haverbeck“ geworben. Weitere Informationen zu den Rechtsextremenverstrickungen rund um die Hygiene-Spaziergänge finden sich auf der Seite der Recherchegruppe.

Beim Widerstand hatten sich etwa ein Dutzend Menschen eingefunden. Das Teilnehmer*innen-Publikum hatte sich allerdings verändert: etwa die Hälfte der Anwesenden bestand aus Personen aus dem Umfeld der Mahnwachen für Bürgerrechte (NichtOhneUns-Bewegung) vom Samstag. Dies deutet auf die ideologische Verwandtschaft beider Bewegungen und eine positive gegenseitige Bezugnahme hin. Nachdem die „Spaziergänger“ sich zerstreut hatten, versuchten sie noch in einem naheliegenden Kiosk Getränke zu erwerben. Fünf von ihnen betraten den Laden (in dem sich nur ein Gast aufhalten darf) ohne Mund-Nasen-Schutz. Sie wurden des Geschäftes verwiesen.

Die Proteste des „Widerstands2020“ scheinen ihren Zenit in Jena überschritten zu haben. In einer internen Chatgruppe wird aktuell diskutiert, nicht mehr in Jena zu spazieren, da die Organisatoren „kein Konzept, nicht mal den Ansatz eines Plans“ hätten. Stattdessen überlegt man in Stadtroda zu demonstrieren. Die Bewegung radikalisiert sich derweil im Internet zunehmend: in einer bundesweiten Gruppe mit 45.000 Mitgliedern wurde gestern über die Frage diskutiert, ob es in Ordnung ist Kassierer*innen, welche die Pflicht zum MNS durchsetzen, körperlich anzugreifen. Auch in der Jenaer Gruppe tauchen wiederholt Reichsbürgerideologien auf.

(mm)

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6 Kommentare

  1. Grottenschlechter Journalismus (fremdschäm…)! Manipulativ und auch noch läppisch formuliert.
    Und dann wollten die auch noch Getränke kaufen, nein!!! Schock!!!
    Im Ernst, ich weiß dass z.B. Marek Hallop ein Rechter ist, das sieht man auf seiner Facebook-Seite, und ich würde in Gera auch nicht mitlaufen. Aber diese pauschale Hetze gegen Demonstranten ist unerträglich. Und keiner von ihnen wird befragt, warum er das macht.
    Hab grad Heribert Prantls Artikel in der Süddeutschen gelesen, der die Demos durchaus kritisch, aber differenziert betrachtet.
    Ich bin übrigens Krankenschwester und arbeite auf einer Corona-Quarantäne-/Isolier-Station. Jede Woche kaufe ich für eine alte Dame in der Nachbarschaft ein, die sich nicht vor die Tür traut.
    Und ich bin gegen einige der Corona-Eindämmungsmaßnahmen und gegen die Einschränkung der Grundrechte.
    herzliche Grüße
    eine „Egoistin“

    • Sie arbeiten auf einer „Corona-Quarantäne-/Isolier-Station“ und gehen auf Demonstrationen ohne Schutzmaßnahmen? Was ist wenn sie sich da anstecken? Was ist wenn sie die Demonstranten anstecken?

      • Sehr geehrte Lisa Dergo, wieso unterstellen Sie GrittavonRattenzuHausbeiuns „Sie arbeiten auf einer „Corona-Quarantäne-/Isolier-Station“ und gehen auf Demonstrationen ohne Schutzmaßnahmen?“ Sie schrieb NICHT das sie auf Demos gehen würde!!! Das haben Sie ihr jetzt einfach mal unterstellt! Und eine weitere Unterstellung mit Ihrer Frage „Was ist wenn sie die Demonstranten anstecken?“ ich finde es so so traurig wie sie hier schreiben über diese Frau. Frau GrittavonRattenzuHausbeiuns hat ihre Meinung hier mitgeteilt, Sie Frau Lisa Dergo haben NICHT ihr Meinung mitgeteilt, Sie haben einfach nur attakiert und Fragen gestellt, wo Sie damit nur angreifen und verurteilen. Bitte reflektieren Sie ihre Darstellung! Danke

    • Wenn Sie nicht kapieren wollen, kapieren Sie auch nicht, egal ob Sie Krankenschwester sind oder nicht. Sie können auch Links fahren, wenn Sie denken, dass Ihre Grundrechtedurchsas Rechts fahren verlerzt sind oder egen desselven Grundes nackt auf die Strasse laufen. Können aber nicht dürfen.

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