Feministischer Protest zum 1. Mai in Jena

Jena. Etwa 90 Aktivist*innen demonstrierten am 1. Mai, zwischen 13 und 15 Uhr, in der Jenaer Innenstadt für eine feministische Perspektive auf die Arbeitsverhältnisse von Frauen*. Trotz verregneten Wetter sammelten sich die Menschen auf dem Holzmarkt. Die Überschreitung der maximalen Teilnehmer*innenzahl von 50 tolerierte die Polizei, da der Sicherheitsabstand gewahrt blieb.

Mit ihrer Kundgebung wollte das Fauen*Streik-Bündnis besonders auf Lohnarbeitsverhältnisse von Frauen: „Am 1. Mai wollen wir auf die Arbeitsverhältnisse im Sozial- und Gesundheitswesen aufmerksam machen. 2/3 der Beschäftigten sind in diesen Bereichen Frauen. Sie erhalten zwar gerade viel Aufmerksamkeit, aber wir fordern mehr Lohn, mehr Personal und sichere Arbeitsplätze. Die Beschäftigten dürfen durch mangelnden Gesundheitsschutz, entgrenzte Arbeitszeiten und geringeren Lohn nicht die Leidtragenden der Pandemie sein. Kurzarbeit in der Kinder- und Jugendarbeit und in Kitas ist keine Lösung“, meint Bettina Staudenmeyer, aktiv im Frauen*streik Jena. Fachpersonal sei gerade jetzt nötig und müsse auch langfristig abgesichert sein.

Dabei fielen gerade jetzt, in Coronazeiten, noch mehr Aufgaben an: „Kinder müssen ganztägig betreut, Mahlzeiten mehrfach am Tag zubereitet, vermehrter Dreck im Zuhause beseitigt werden – und das oftmals neben der Lohnarbeit“. Frauen hätten bereits vor Corona durchschnittlich pro Woche fast 30 Stunden unbezahlt gearbeitet. „Deswegen fordern wir Lohnfort- und Ausgleichszahlung bei fehlender Kinder- und Pflegebetreuung in der Coronakrise und darüber hinaus! Geld ist aber nicht alles, wir brauchen einen zügigen Ausbau der Notbetreuung oder Konzepte für Ersatzbetreuung von Kindern. Ich sehe, wie Eltern überlastet sind und sich kaum erholen können. Und auch mein Kind fragt jeden Tag nach ihren Freundinnen und wann die Kita wieder öffnet. Sie spielt ja nur noch mit Erwachsenen.“ sagte Teresa Gärtner, aktiv im Frauen*Streik Jena.

Text: Martin Michel, Fotos: Leon Holzner

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