JenaKultur kündigt wöchentliche „Straßenpflaster-Festspiele“ an

Vertreter*innen von JenaKultur und der Initiative Innenstadt bei der Vorstellung der Jenaer "Straßenpflaster-Festpiele" am Löwenbrunnen. Foto: Philipp Janke/Libertad Media

Jena. Die Werkleitung des städtischen Betriebs JenaKultur kündigte heute eine Veranstaltungsreihe namens „Straßenpflaster-Festspiele“ an, bei der lokale Künstler*innen an verschiedenen Orten in der Innenstadt kleine Konzerte geben werden. Die Aktion wird von 25. Juli bis 26. September jeden Samstag von 15 bis 18 Uhr stattfinden. Der Werkleiter Jonas Zipf begründete das Vorhaben mit dem Ausfall der Kulturarena aufgrund der Coronakrise und der finanziellen Notlage von freien Künstler*innen, die auf Honorare von JenaKultur-Projekten angewiesen sind. Am Auftakt werden unter anderem die Folkband „Onkel Tims Hütte“, ein Jazz-Duo mit Viola Michaelis und der syrische Straßensänger „In Between“ beteiligt sein.

Während im Bereich der klassischen Musik und des Theaters der Betrieb mit Abstandsregelungen langsam wieder angelaufen ist, werde es „noch eine ganze, ganze Weile“ dauern, bis mit Steh- und Clubkonzerten wieder Normalität einkehren könne, gab Zipf zu bedenken. Sein Werkleiterkollege Carsten Müller fügte hinzu, es sei „wichtig, dass wir als öffentlicher Veranstalter da einen Schritt nach vorne gehen“. Die Idee, Straßenmusik zu fördern, habe es eigentlich schon seit Jahren bei JenaKultur gegeben. Bei der genaueren Planung hob er die Rolle Oliver Jahns hervor, der als Musiker in Jena breit vernetzt sei und sich daher gut für die künstlerische Leitung geeignet habe.

Die „Straßenpflaster-Festspiele“ mit einem Etat um 30.000€ werden teils durch eine Umwidmung von Landesfördermitteln finanziert, die zu einem größtmöglichen Teil direkt den Künstler*innen zugute kommen sollen. Auf Zuschauer*innenseite gehe es nicht nur darum, den Menschen das Bummeln oder den Cafébesuch zu versüßen, sondern auch, andere „in die Stadt reinzuziehen,“ sagte Müller.

Der künstlerische Leiter Jahn zeigte sich erstaunt über die Bandbreite der lokalen Musikszene, was die vertretenen Genres und auch die Altersdurchmischung betrifft. Sein Anliegen sei es, dass Jenaer Bürger*innen diese besser wahrnehmen könnten. Er bezeichnete die Konzertreihe als Mosaik: „Wenn man am ersten Tag anfängt, hat man am letzten Tag 40 verschiedene regionale Künstler kennengelernt“. Er freue sich, die Musikszene im Angesicht der Krise „aus der Lethargie zu holen“.

Die Werkleitung gab zudem bekannt, die technische Ausstattung werde bescheiden ausfallen, damit so viel Geld wie möglich für die Künstler*innen bliebe. Müller sagte, JenaKultur wolle keine „Überproduktion“, wie es die enge Einbindung von technischem Personal bedeutet hätte. Die Reduktion auf dezentrale Acts in mäßiger Lautstärke diene aber auch der Begrenzung der Publikumszahlen und somit der Infektionsprävention.

Das Konzept sei nicht nur der Coronasituation geschuldet, sondern könnte sich auch als zukunftsweisend herausstellen, so kommentierte Zipf einen Trend zur Regionalisierung der Kulturpolitik. Hannes Wolf vom Unternehmer*innenzusammenschluss Initiative Innenstadt Jena e.V., der bei der Ankündigung auch anwesend war, zeigte sich ebenso überzeugt von dem Vorhaben: „Es strahlt Authentizität und Lebendigkeit aus, weil es mittendrin stattfindet.“

Die voraussichtliche Bebauung des Eichplatzes mache ohnehin ein Umdenken bei der Organisation der Stadtfeste nötig, fügten die beiden Werkleiter hinzu. Bei JenaKultur gehe vieles aufgrund der Coronakrise – bespielsweise zur Erarbeitung von Hygienekonzepten für verschiedenste Einrichtungen – drunter und drüber. Aber die Straßenfestspiele seien ein Versuch, so Müller, gerade wegen der mangelnden Profitabilität unter privaten Veranstalter*innen, „die Wertschöpfungsketten so langsam wieder in Schwung zu bringen“. Jahn pflichtete den Chefs von JenaKultur bei und ermutigte künftige Zuschauer*innen, „reichlich in den Hut zu werfen“.

Zuletzt schlug Zipf ironisch vor, den Straßenkonzerten den Slogan „Unter dem Pflaster der Strand“ zu geben und verstand darunter die Möglichkeit, dass die Künstler*innen es sich leisten können, „wenigstens ins Ostbad zu gehen“.

(pj)

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