Neun Razzien nach rechtem Angriff in Erfurt

Symbolbild Libertad Media – Martin Michel

Erfurt. Die Thüringer Polizei hat mit Wohnungsdurchsuchungen ihre Ermittlungen zum mutmaßlich rechtsextremen Angriff in der Nacht vom 17. auf den 18. Juli 2020 vor der Erfurter Staatskanzlei ausgeweitet. Nach Informationen des MDR Thüringen wurden die Wohnungen von neun Tatverdächtigen durchsucht, um Beweismittel und weitere Spuren zu sichern. Es habe keine Festnahmen gegeben. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte gegenüber der DPA, man erhoffe sich das Auffinden von Blutspuren an der Kleidung. „Die gehen auch durchs Waschen nicht zwingend raus,“ so Hannes Grünseisen. Die Durchsuchungen erfolgten überwiegend in Erfurt und eine im Saale-Holzland-Kreis.

In der Nacht sollen mindestens zwölf Personen einen Angriff auf eine Gruppe 20 feiernder Menschen durchgeführt haben. Es kam zu mehreren schweren Verletzungen unter den Angegriffenen. Die Polizei korrigierte sich inzischen von ihrer anfänglichen Darstellung als „Massenschlägerei“. Es habe sich um einen einseitigen Angriff gehandelt. Christin Fiedler, Beraterin bei ezra, der Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Thüringen, ordnete den Vorfall ein: „Das war keine ‚Massenschlägerei’ oder ‚Auseinandersetzung’, sondern ein gezielter, koordinierter und heimtückischer Angriff auf friedlich feiernde Menschen durch vermutlich kampfsporterfahrene, rechte Gewalttäter. Die Täter waren teilweise vermummt und wussten genau, was sie taten. Sie gingen hemmungslos und mit enormer Brutalität vor und nahmen tödliche Verletzungen wissentlich in Kauf, indem sie beispielsweise weiter auf Personen eintraten, die bewusstlos am Boden lagen.“

Verschiedene Medien verharmlosen die Tat als „Schlägerei“, obwohl alle Anzeichen für einen koordinierten Angriff sprechen. „Wir fühlten uns nach den ersten Medienberichten wie Täter*innen,“ macht eine Betroffene und Zeugin des Angriffs deutlich. „Dabei haben wir von Anfang an – auch gegenüber der Polizei – gesagt, dass wir ohne vorausgegangenen Kontakt und ohne Vorwarnung überfallen wurden. Das hätte wahrscheinlich fast jeden treffen können, der zufällig vor Ort war.“

Nach Informationen der Landtagsabgeordneteten Katharina König-Preuss (LINKE-Sprecherin für Antifaschismus) entstammen die Tatverdächtigen, die den schweren rassistischen Angriff durchgeführt haben sollen, Neonazi-Vereinen wie ‚Volksgemeinschaft‘, ‚Neue Stärke Erfurt‘ und der Partei ‚Der III. Weg’, die auf dem Herrenberg agieren. „Gegen diese offen neonazistisch agierenden Strukturen ist ein konsequentes Handeln bis hin zu Verbotsverfahren längst überfällig“, so die Abgeordnete.

(MM)

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