Reportage: Der kämpferische Frauen*tag in Jena

Jena. Am 8. März, den internationalen Frauen*Kampftag, demonstrierte auch in Jena das lokale Frauen*Streik Bündnis mit vielfältigen Aktionen. Am Johannisstor sammelten sich die Protestierenden für die erste Aktion des Tages: eine Demonstration durch die Innenstadt. Unter im Wind wehenden Fahnen trugen zahlreiche Frauen* lila Tücher mit dem Logo des Frauen*Streik Bündnisses.

Die Organisation des Bündnisses erfolgt vor allem durch FLINT* Menschen (Frauen, Lesben, Intersexuelle, nicht binäre und Trans Menschen – das * steht für alle nicht explizit erwähnten, aber mit gemeinten, Personen). CIS-Männer arbeiteten aber solidarisch mit, beispielsweise in der Kinderbetreuung für den Kampftag oder in anderen heteronormativ meist von Frauen* ausgeführten Bereichen der „unsichtbaren Arbeit“. Auch der klassische Lautsprecherwagen (Lauti) der JG-Stadtmitte war heute ausschließlich von Frauen* besetzt und mit lila Fahnen geschmückt.

Im ersten Redebeitrag stellte das Frauen*Streik Bündnis durch zwei Rednerinnen die politischen Forderungen der Gruppe vor. Die Gruppe stellte fest: „es reicht!“. Sie fragten die versammelten Menschen ob Frauen* denn heute gleichberechtigt sind? Die Anwesenden antworteten mit einem lauten „Nein!“

Sie führten aus, dass sie wütend sind. Wütend über die anhaltende Gewalt gegen Frauen*, Inter und Transpersonen. Wütend, dass Frauen* mehr als 31 Stunden pro Woche häuslicher unsichtbarer Arbeit nachgehen, aber trotzdem im Berufsleben weniger als 21% Lohn erhalten. Wütend über den Rassismus gegenüber POCs (People of color) und vermeintlich Fremden, oft auch Frauen und forderten „ein sofortiges Ende des Abschiebe- und Lagersystems in Deutschland“.

Auch wenn heute lokal in Jena protestiert wurde sei die Bewegung international und gut vernetzt.

Vor dem Frauenzentrum Towanda in der Wagnergasse forderte eine Vertreterin der Initiative die Aufstockung des Gleichberechtigungstopfes der Stadt Jena. Dieser müsse massiv vergrößert werden um Gleichberechtigung auch in Jena stärker zu fördern und damit unter anderem die wichtige Arbeit von Frauenhäusern zu unterstützen. Deren Fianzierung müsse dauerhaft sichergestellt werden. Auch solidarisierte sich Towanda mit den Geflüchteten an den EU-Außengrenzen. Diese müssen endlich nach Europa gebracht werden und auch Jena seinen Teil beitragen und zu einem sicheren Hafen für Menschen in Not werden.

Vor dem Haus der Gewerkschaften sprach eine Frau aus dem Universitätsklinikum Jena. Diese arbeite dort seit 32 Jahren als Pflegekraft und berichtete von den Arbeitskämpfen und dem Warnstreik im vergangenen Jahr. Der Kampf um bessere Arbeitsbedingungen habe sie auch mit über 50 Jahren emanzipiert. Und sie sei sehr stolz über die rege Teilnahme am Streik im UKJ.

Eine andere Vertreterin der IG-Metall berichtete vom aktuellen Lohnkampf an der Wäscherei des UKJ. In dem privaten Betrieb würden die Menschen nur den Mindeslohn bezahlt bekommen, obwohl sie höchst belastende schwerste Arbeiten verichteten. Sie forderte eine Erhöhung des allgemeinen Mindestlohnes und eine umgehende gerechte Entlohnung der Beschäftigten in der Wäscherei. Sie forderte „die Wiederaneignung des Kapitals, welches die Arbeitnehmer*innen erwirtschaften“ und eine gerechte Beteiligung der Arbeiter*innen.

Weitere Rednerinnen thematisierten die Gewalt gegen Frauen* und besonders die Femizide (Mord an Frauen) in Südamerika. In Südamerika werde alle 2 Stunden eine Frau ermordet. Besonders in Venezuela sei die Situation schlimm: 3742 Frauen seien im vergangenen Jahr Opfer eines Femizides geworden.

In einer feministischen Performance auf dem Markt wurde auf die Gewalt gegen Frauen aufmerksam gemacht: „Doch es war nicht meine Schuld, egal wo ich war, egal wie ich angezogen war, der Vergewaltiger bist du.“. Die aus Chile stammende Performance wurde durch rhythmisches Trommeln und eine Choreografie untermalt. Solidarische Anwohner*innen zündeten auf den Dächern am Markt lila-schwarzen Rauch und entrollten ein Transparent.

Lila-Schwarzer Rauch am Markt

Nach der Demonstration erfolgte eine „kämpferische Mittagspause“ im Faulloch. Die Aktionsküche Black Kitchen hatte mit ihrer dampfenden Gulaschkanone für Verpflegung gesorgt. Zahlreiche Initiativen stellten sich mit Informationsständen vor. Von der kämpferischen Basisgewerkschaft FAU, der IG-Metall, über den Roten Stern Jena (Sportverein) bis hin zu antirassistischen Initiativen waren diverse Gruppen vertreten.

Nach der kämpferischen Mittagspause zogen sich Teilnehmer*innen in ein Diskussionsforum zurück.

Zum Ausklang des Tages soll die feministische Rap-Combo „Parallelklasse“ am Johannistor auftreten.

(mm)

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