Samstag, Mai 8

Angriffe auf Banken: „Ihre riesigen Glasfronten sind nun zu einem Spiegelbild ihres Handelns in dieser Welt geworden.“

Eingeschlagene und beschmierte Scheiben der Commerzbank in der Fischergasse. Foto: Martin Michel

Die Gruppe „Die Falken des Zagros“ hat sich zu zwei Anschlägen auf Jenaer Banken in der vergangenen Nacht bekannt. Sie werfen den betroffenen Banken die Unterstützung des „faschistischen Angriffskrieges der Türkei in Rojava“ vor.

Jena. Erneut kam es zu Angriffen auf Banken in der Saalestadt.  „Gegen 03:00 Uhr ist bekannt geworden, dass mehrere vermummte Personen im Bereich der Innenstadt randalierten“ vermeldete die Landespolizei Inspektion Jena. Die noch unbekannten Täter*innen hätten am Löbdergraben und Leutragraben ein „ein Bild der Zerstörung“ hinterlassen. „An einer Filiale der Commerzbank haben die unbekannten Täter eine komplette Fensterfront, über eine Länge von knapp 25 Metern, entglast. Auch an dem anderen betroffenen Geldinstitut wurden die Fensterscheiben angegriffen. Vor Ort konnte ein großer Farbfleck festgestellt werden, welcher vermutlich auf eine Farbbombe zurückzuführen ist“. Auch seien Anarchiezeichen und der Schriftzug „LANG LEBE ROJAVA“ an der Wand angebracht worden. „Leider schafften es die Unbekannten, trotz des sofortigen Einsatzes mehrerer Funkstreifenwagen und intensiver Fahndung, zu entkommen.“

Ein auf der Internetplattform Indymedia aufgetauchtes Bekenner*innenschreiben, welches authentisch wirkt, rechtfertigt die Angriffe. Die Gruppe, welche sich selbst als „Die Falken des Zagros“ bezeichnet, wirft den beiden angegriffenen Banken Investitionen „in Krieg, Hunger und Vertreibung auf der ganzen Welt“ vor. Die „Falken vom Zagros“ ist die Bezeichnung einer Offensive der kurdischen Verteidigungskräfte, welche sich gegen einen Angriff des türkischen Staates in den nordirakischen Regionen Metîna, Avaşîn und Zap wehren. Die Deutsche Bank und die Commerzbank trügen durch ihre Investitionen „ganz aktuell ihren Teil zur Unterstützung des faschistischen Angriffskrieges der Türkei in Rojava bei“. Der türkische Staat stehe für „systematische Vertreibung, Unterdrückung und auch Genozid an anderen, marginalisierten Bevölkerungsgruppen“.

Kurd*innen in der Türkei werden systematisch ausgegrenzt, ihrer Kultur beraubt, inhaftiert und ermordet. FLINT-Menschen ihrer Rechte beraubt, Gewalt gegen sie wird legalisiert und Femizide gehören zum Alltag.

Die Türkei sei „ein zutiefst menschenverachtender, patriarchaler, faschistischer und islamistischer Staat“. Der Bundesregierung wirft die Gruppe vor diese „faschistischen Bestrebungen Tag für Tag“ zu tolerieren. „Der türkische Faschismus wäre ohne die Profitgier, und inhumane Politik des Westens nicht möglich“. Der Angriff wird des Weiteren mit der aktuellen Offensive der Türkei im Nordirak begründet: mit „Angriffen aus der Luft und mit Bodentruppen“ würde dabei „neben deutschen Waffen auch Giftgas eingesetzt“. Die Gruppe zeigte sich wütend über die geringe „Aufmerksamkeit für die Verbrechen des faschistischen Staates und der stillschweigenden Unterstützung hier in Deutschland“.  Mit einem Sinnbild endete das Schreiben:

„Unseren Frust darüber haben wir genau dorthin getragen, wo er hingehört: in die Filialen der Deutschen Bank und Commerzbank hier in Jena. Ihre riesigen Glasfronten sind nun zu einem Spiegelbild ihres Handelns in dieser Welt geworden.“

Auszug aus dem Bekenner*innenschreiben

Die Kriminalpolizei Jena hat die Ermittlungen zu dieser Sachbeschädigung aufgenommen. Die Polizei schreibt von „einer schier unsagbaren kriminellen Energie“. Mit höchster Akribie und Sorgfältigkeit habe man „Spuren an den beiden Tatorten sichergestellt, um so mögliche Zusammenhänge zu den Straftaten in den Abendstunden des 13. März diesen Jahres herzustellen“. Die Polizei sucht nun Zeug*innen und verweist auf die Auslobung von 10.000 Euro für Hinweise auf die Täter*innen von den Angriffen auf die Löbderstraße im März. Die Stadt Jena verurteilte die Tat und setzte eine weitere Belohnung von 5000€ für Hinweisgeber aus. Ordnungsdezernent Benjamin Koppe (CDU) erklärt dazu:

„Das Maß ist übervoll und meine Verachtung für den erneuten Vandalismus grenzenlos. Wir werden das als Stadt nicht hinnehmen, lassen uns unsere Innenstadt nicht durch politisch motivierte Gewalt zerstören. Es ist an der Zeit, dass sowohl Innenministerium und Landeskriminalamt als auch der Verfassungsschutz die jüngsten Vorfälle in Jena mit höchster Priorität behandeln. Eine umfassende Aufklärung ist dringend erforderlich.“

(MM)

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