Donnerstag, Dezember 9

Bund der Antifaschist*innen kritisiert Radrennen vor der Gedenkstätte Buchenwald

Haupteingang Gedenkstätte ehemaliges KZ-Buchenwald. Bild: © Ad Meskens / Wikimedia Commons

Die Deutschlandtour, das größte deutsche Etappen-Radrennen, plant den Streckenverlauf am 27. August 2021 über den Ettersberg – vorbei an der Gedenkstätte Buchenwald, über die Blutstraße, vorbei an den Massengräbern beim Glockenturm. Der Verband der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten kritisiert diese Entscheidung scharf. „Eine sportliche Veranstaltung auf dem Boden, der mit so viel Blut getränkt ist, zu planen ist vollkommen pietätlos und nicht hinnehmbar“, empört sich die Landesvorsitzende des TVVdN/BdA, Kati Engel. „Dies tritt die Würde und das Vermächtnis der Opfer und ihrer Hinterbliebenen mit Füßen.“

Im Konzentrationslager Buchenwald auf dem Ettersberg bei Weimar und in seinen 139 Außenlagern waren zwischen 1937 und 1945 fast 280.000 Menschen inhaftiert, darunter viele Widerstandskämpfer:innen, Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, Zeugen Jehovas. Am Ende des zweiten Weltkrieges war Buchenwald das größte KZ im Deutschen Reich. Über 56.000 Menschen wurden hier grausam ermordet, erschossen, erhängt, zertrampelt, erschlagen, erstickt, ersäuft, vergiftet, abgespritzt, sind verhungert, starben durch medizinische Experimente und Auszehrung. In einer eigens errichteten Tötungsanlage wurden allein über 8.000 sowjetische Kriegsgefangene erschossen.

Wie die Gedenkstätte mitteilte war sie selbst auch nicht in die genaue Planung einbezogen wurden, sondern erhielt nur eine standardisierte Informations-E-Mail, welche allen „Anliegern“ der Rennstrecke übermittelt wurde.

„Es macht mich sprachlos, wie pietätlos die Veranstalter, das beteiligte Wirtschaftsministerium und die Verantwortlichen der Stadt Weimar diesen Streckenverlauf geplant haben. Das ist ganz klar eine Störung der Totenruhe“, kritisiert Kati Engel „Es würde doch auch niemanden einfallen ein Radrennen auf einem Friedhof zu veranstalten.“

Doch die Einwohner:innen von Weimar und dem angrenzenden Umland haben schon seit jeher eine seltsame Beziehung zum Ettersberg und dem darauf befindlichen KZ. So blieb der Ettersberg auch zwischen 1937 und 1945 ein beliebtes Ausflugsziel. Auch damals ging die Weimarer Bevölkerung hier sportlichen Betätigungen nach oder feierte Sommerfeste. Die Lagerleitung begrüßte das und war um weitere Freizeitangebote bemüht. So öffnete im Mai 1940 sogar ein Wildtiergehege, welches die SS im Lagergelände errichtet hatte.*

„Die traurige Wahrheit ist also, dass es seit Beginn des Konzentrationslagers Buchenwald nicht unerheblich viele Menschen um den Ettersberg gab und gibt, die mit diesem Ort und seiner Geschichte so gar kein Problem zu haben scheinen. Die Planung des Streckenverlaufes reiht sich nur ein in eine Sammlung unrühmlicher Belege hierfür“, so Engel abschließend.

Laut Gedenkstättenleiter Dr. Wagner beharrt der Tour-Veranstalter trotz aller Kritik auf der geplanten Streckenführung. Lediglich von der Punktebewertung auf dem Parkplatz der Gedenkstätte wolle man nun absehen.

*aus Schley, Jens (1999). Nachbar Buchenwald: Die Stadt Weimar und ihr Konzentrationslager 1937-1945 (1. Aufl.). Köln/Weimar/Wien: Böhlau Verlag, S. 103 f.

Pressemitteilung des TVVdN/BdA

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