Kreuzung Camsdorfer Brücke: Der tägliche Wahnsinn – Bürgerinitiative befragt Passant*innen

Jena. Es ist heiß. Die Sonne brennt. Wir stehen auf der Camsdorfer Brücke, der Grünen Tanne gegenüber: kein idyllischer Ort – nicht um 16 Uhr an einem ganz normalen Nachmittag in der Woche. Wir haben mit dabei: einen Aufsteller (noch leer) einen Tisch und drei Klappstühle. Aber die sind nicht für uns. Die sind für die Leute, mit denen wir ins Gespräch kommen wollen.

Und da kommen schon die ersten. Oder vielmehr: Sie versuchen es. Aber vorher müssen sie über die KarLi (Karl-Liebknecht-Straße) kommen. Das ist nicht immer leicht, zu dieser Stunde – nachmittags um 4 an einem ganz normalen Wochentag – ist es sogar richtig schwierig. Eine Mutter mit Kinderwagen, an den sich ein Kleinkind klammert, steht da und wartet. Stadteinwärts fährt ein Auto nach dem anderen, stadtauswärts auch; denn gerade ist eine Grünphase an der Ampel am Eisenbahndamm. Dann kommt aus dieser Richtung nichts mehr und es gibt einen Linksabbieger an der Grünen Tanne, der den Fahrzeugstrom stadteinwärts blockiert. Die Mutter ergreift die Gelegenheit und beginnt, über die Straße zu laufen. Aber der Linksabbieger ist schnittig unterwegs und die Autofahrer, die geradeaus wollen, haben schon ungeduldig auf die Weiterfahrt gewartet und der Erste beschleunigt rasant und … er bremst, scharf, um die kleine Familie nicht zu erwischen. Sie hat es geschafft und nun halten wir sie auf. Wir wollen wissen, wie oft sie die KarLi quert und wie sie sich bei der Querung gerade an dieser Stelle fühlt.

Unseren kleinen Fragebogen füllen an diesem Nachmittag – wir beenden die Aktion nach 50 Minuten, denn es ist immer noch sehr heiß, die Luft ist stickig, es ist laut – 22 PassantInnen aus. Davon geben vier an, sich bei der Querung an dieser Stelle relativ sicher zu fühlen, 18 dagegen machen ein Kreuz bei „nicht sicher“. Währenddessen hat einer von unserer Gruppe die an der Grünen Tanne links abbiegenden RadfahrerInnen gezählt und ist auf 65 gekommen. Das ist eine gewaltige Menge, denn die geradeaus Fahrenden wurden nicht berücksichtigt.

Unser Aufsteller ist jetzt voll mit bunten Zettelchen. Darauf konnten die PassantInnen Vorschläge machen, wie sie diese schwierige Situation verbessern würden. Die Antworten sind nicht überraschend: Fußgängerschutzweg oder Ampel.

Unsere kleine Aktion hat für uns eines deutlich gemacht: An dieser Stelle muss sich etwas ändern. Das bestätigt auch die Gesprächsbereitschaft der Leute; die meisten waren sofort gewillt, sich zu äußern und haben uns ermutigt, weiterzumachen. Und das wollen wir tun!

Die Bürgerinitiative „Unsere KarLi“

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