Nicht zeitgemäß, nicht angebracht. Das Stadtfest in Eisenberg und sein, rassistischer Name

Als Decolonize Jena! kritisieren wir die rassistische Benennung des Eisenberger Stadtfestes als M-Fest und solidarisieren uns mit der bisher u.a. von der Thüringer Gruppe der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) geäußerten Kritik.

Die Stadt Eisenberg hat ihr Stadtfest 2019 zum ersten Mal als „Mohrenfest“ (im Folgenden: M-Fest) beworben und gefeiert. Diese Namenswahl wurde überregional kritisiert. Leider reagierten die Verantwortlichen bislang nicht in angemessener Weise auf diese Kritik.

Mit ihrer Namenswahl greifen die Verantwortlichen auf einen Begriff zurück, der seit Langem abwertend benutzt wird. Abgewertet wurden und werden durch diesen Begriff Menschen, die als nicht-weiß, nicht dazugehörig und „anders“ gelten. Der Begriff M. hat zahlreiche negative und verletzende Bedeutungen. Er spielte eine Rolle in den Gedankenwelten des Kolonialismus und bei seinen rassistischen Verbrechen. Menschen, die auf diese Weise bezeichnet werden, empfinden den Begriff als verletzend, beleidigend und rassistisch.

Darum sagen wir: Der Begriff und die von ihm ausgelösten Bilder und Vorstellungen haben in der Gegenwart des Jahres 2019 nichts zu suchen! Nicht im Sprechen, nicht im Stadtbild, nicht als Namen von Straßen, Geschäften und Gebäuden – und erst recht nicht als Titel eines Stadtfestes!

Wozu ein solcher Name beiträgt war auf dem Stadtfest deutlich zu sehen: Klischeehafte und vorurteilsbeladene Darstellungen von schwarzen Menschen (bis hin zu Verkleidungen und dem immer wieder, z.B. im Kontext von Karneval, zu Recht kritisierten „black facing“) waren an verschiedenen Stellen zu sehen und es wurde eine ganze Palette von Produkten angeboten, die den verletzenden Begriff wiederholten und rassistische Vorstellungen bedienten (M-Kaffee, M-Küssen, M-Bier etc.).

Wir fordern:

Dass die Stadt Eisenberg das Fest kein weiteres Mal unter diesem Namen durchführt! Dass sich die Verantwortlichen für die Namenswahl bei allen Menschen entschuldigen, die von rassistischen Bezeichnungen, Beschimpfungen und von rassistischer Gewalt betroffen sind. Eine solche Entschuldigung erwarten wir insbesondere auch von der Werbeagentur, die das entsprechende Marketing zu verantworten hat. Wir erwarten außerdem, dass die Stadt Eisenberg (z.B. beim nächsten Stadtfest) Veranstaltungen zur Geschichte des Kolonialismus und gegen Rassismus durchführt und finanziert.

Wir wünschen uns, dass sich die Bewohner*innen von Eisenberg kritisch mit dem historischen Erbe der M-Sage auseinandersetzen und rassistische Symbole, Bilder und Begriffe keinen Platz mehr im öffentlichen Raum finden.

Wir schließen uns dem Vorschlag der ISD Thüringen an: dass die Stadt Eisenberg eine Kommission zur Aufarbeitung des Ursprungs der M-Sage einrichtet und somit einen kritischen Umgang mit dem kolonialen Erbe der Stadt beginnt. Bei der Besetzung dieser Kommission sind insbesondere die Perspektiven Schwarzer Menschen und von Menschen of Colour zu berücksichtigen und zivilgesellschaftliche Initiativen miteinzubeziehen. Wenn die Stadt tatsächlich – wie ihr Bürgermeister gegenüber Antenne Thüringen betonte – für eine offene und vielfältige Kultur stehen will und zum Dialog bereit ist, sollte sie diesen Schritt dringend gehen.

Statement der Gruppe Decolonize Jena! im Mai 2019

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