Dezentrale Demo: Solidarität mit den Beschäftigten des Universitätsklinikums Jena

Das FrauenStreik Bündnis Jena hat am Mittwoch, den 01. April von 14.00 bis 18.00 zu einer dezentralen Demonstration als Zeichen der Solidarität mit den Beschäftigten am Universitätsklinikum Jena (UKJ) aufgerufen.

Zahlreiche Menschen, Familien, Wohngemeinschaften wurden aufgrund der aktuellen Corona-Situation kreativ und zeigten ihre Unterstützung für die Beschäftigten, welche sich nicht nur in der jetzigen besonderen Situation, sondern tagtäglich um die Gesundheit der Menschen kümmern. Die Demonstrationen fanden an den einfallsreichsten Orten statt – in Hinterhöfen, Wohnzimmern oder auf Balkonen. Mit Musik, aufmunternden Worten oder aussagekräftigen Plakaten – der Kreativität war kein Ende gesetzt! Anlass der Demonstration gab ein offener Brief vom 15. März 2020, in welchem Mitarbeitende des UKJs auf ihre Arbeitsbedingungen hinweisen. Diese sind von Personalmangel, Überstunden und einer einhergehenden hohen psychischen sowie körperlichen Belastung geprägt sind. „Jeden Tag sehen wir uns in der Pflicht, die würdevolle Betreuung unserer Patientinnen und Patienten gegen wirtschaftliche Interessen zu verteidigen“, schreiben die Beschäftigten in ihrem Brief. Doch gerade die Ausrichtung des Gesundheitswesens nach wirtschaftlichen Interessen, die Privatisierung von Krankenhäusern und fehlender Vorrat an Hygiene- undVersorgungsmateralien erschweren eine angemessene Reaktion auf die gegenwärtige Krise. Die Problematik betrifft jedoch nicht nur den Bereich der Pflege. Auch für die Reinigungskräfte des UKJs ist die Versorgung mit ausreichend Schutzmaterial eine Herausforderung, zumal der Sicherheitsabstand von zwei Metern in den Patientinnenzimmern und Klinikfluren möglicherweise nicht immer eingehalten werden kann.

Seit der Veröffentlichung des Briefes habe sich die Situation noch verschärft. Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel sei Mangelware und wenn dann nur zu hohen Preisen. Die Demonstrierenden riefen: „Profite pflegen keine Menschen!“ Bereits im letzten Jahr haben Beschäftigte am UKJ um einen Entlastungstarifvertrag gekämpft. Sie setzen sich seit Monaten für bessere Arbeitsbedingungen und eine gute Pflege ein. Trotzdem sind sie nun bereit, in der Krisensituation über ihre vertraglich geregelte Arbeitszeit hinaus zu arbeiten.

Dieses Engagement verdient Respekt und Wertschätzung fanden auch die Teilnehmerinnen der Demonstration. Sie unterstützen die Forderungen der Beschäftigten, damit eine gute Pflege heute, in den kommenden Wochen und über die Krise hinaus gewährleistet werden kann. Die Aktion stellt weiterhin einen Appell an das Gesundheitssystem und die politischen Entscheidungsträgerinnen dar: Ein nach Marktlogiken ausgerichtetes
Gesundheitssystem, die zunehmende Privatisierung von Krankenhäusern oder „Just- in-time-Lieferketten“ sind nicht mehr tragbar. Es ist nun an der Zeit, den sogenannten „systemrelevanten“ Berufen, zu denen die Gesundheitsversorgung maßgeblich zählt, endlich die Anerkennung in allen Bereichen zukommen zu lassen, die sie verdienen.

Frauen*Streik Jena

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