Gegenprotest: Der Bus des Hasses hat Erfurt besucht

Protest gegen den "Bus für Meinungsfreiheit" in Erfurt. Bild: Martin Michel/Libertad Media

Erfurt. Gegenproteste begleiten den Besuch des „Busses der Meinungsfreiheit“ in Erfurt. Hinter dem Bus steht die Organisation „Demo für Alle“. Dieses Netzwerk ist ein erzkonservativer Zusammenschluss von LSBTI-Gegner*innen, christlischen Fundamentalist*innen und Kritiker*innen der Sexualpädagogik, der der AfD nahesteht.

Geplant war eigentlich eine Kundgebung auf dem Domplatz, gegen vermeintliche „Frühsexualisierung“. Bei den Erzkonservativen folgt die Kritik einer schrägen Logik: Moderne Sexualpädagogik sei nichts anderes als Kindesmissbrauch; außerdem würden die Kinder dadurch ihr „natürliches Schamgefühl“ verlieren, so ihre Sprecherin Hedwig Beverfoerde. Ein Narrativ, welches leider bei manchen verfängt. So sagte der Einsatzleiter der Polizei Kay Knobloch auf die Frage eines Passanten, wer hier demonstriert: Hier seien Leute, die gegen Kindesmissbrauch demonstrierten, die Gegendemonstration des CSD dagegen könne er auch nicht nachvollziehen.

Eben jene Gegendemonstrant*innen stahlen den vermeintlichen Kinderschützer*innen heute die Show: Gegenüber der geplanten Kundgebungsfläche hatte der CSD Thüringen eine Gegenkundgebung angemeldet. Unter dem Motto „Kein Millimeter nach Rechts – Queerfeindlichkeit konsequent entgegenstellen“ folgten etwa 150 Menschen dem Aufruf. Entgegen der Auffassung des Einsatzleiters demonstrierten diese gegen die „Demo für Alle“, weil diese „Deutschlands führende Anti-LGBTIQ*-Organisation“ sei. Mit dem Protest wolle man „ein klares Zeichen gegen Queerfeindlichkeit und gegen rechte Hasspropaganda setzen“. Auch wolle man ein Statement für Vielfalt, Akzeptanz und gegen Hass abgeben.

Die Gegendemonstrant*innen blockierten den Bus, so dass die geplante Kundgebung über eine Stunde nicht aufgebaut werden konnte. Auf Intervention von Beverfoerde räumte die Polizei schließlich einen Bereich um den Bus von den Gegendemonstrant*innen. Vorher gab es innerhalb der gesamten Kundgebung angeregte Gespräche zwischen Anhänger*innen der „Demo für Alle“ und den Gegendemonstrant*innen. Diese hatten zwischenzeitlich eine Spontandemonstration direkt am Bus angemeldet und überschatteten die Redebeiträge mit lautem, übertriebenem Beifall, Unmutsbekundungen und Musik. Selbst direkt vor den Boxen des Busses war zwischenzeitlich kaum ein Wort der Redebeiträge zu verstehen. Nach zwei Redebeiträgen war die Veranstaltung vorbei. Auf einem Campingtisch vor dem Bus konnten noch zwei Flyer mitgenommen werden. Die Veranstaltung hatte keinerlei Außenwirkung, da alle Seiten mit einer Wagenburg aus Polizeiautos abgesperrt waren und der einzige Zugang von Gegendemonstrant*innen umgeben war.

Im Zuge der Veranstaltung beteiligten sich auch Mitglieder von Querdenken Erfurt. Diese suchten aktiv den Kontakt zu den Veranstalter*innen und halfen bei der Vermittlung mit der Polizei. Es gab deutliche Sympathien zwischen beiden Gruppierungen. Anwesend war beispielsweise Arno Niederländer, welcher noch am Vortag zum Systemumsturz auf seiner „Querdenken“-Demonstration aufgerufen hatte.

Als nach kurzer Zeit der Bus wieder abgebaut war, tanzten die Gegendemonstrant*innen fröhlich auf dem Domplatz.

(MM)

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3 Kommentare

  1. Ich als Mensch der selbst bisexuell ist und euch damit durchaus zugewandt ist muss leider sagen, das es mich sehr traurig stimmt, wie hier von euch Framing und Aufstachlung betrieben wird (siehe Zitat unten), ihr tragt damit maßgeblich zur gesellschaftlichen Spaltung bei und verhindert damit eine sachliche, differenzierte Auseinandersetzung über die betreffenden Themen. Euer Ansinnen ist gut, die Art wie ihr es macht wird dem nicht gerecht.

    Ich ermutige euch offen auf Andersdenkende zuzugehen so wie ihr es auch von anderen erwartet und sich mit den Menschen differenziert auseinanderzusetzen, es ist gut auch andere Meinungen in einer pluralitischen Gesellschaft zuzulassen.

    Hier von „Gegnern“ zu sprechen ist definitiv kontraproduktiv, woher kommt nur all der Hass?

    Zitat aus obigem Artikel: „…Zusammenschluss von LSBTI-Gegner*innen, christlischen Fundamentalist*innen und Kritiker*innen der Sexualpädagogik, der der AfD nahesteht. „

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