Freitag, Dezember 9

Schlagwort: Theater

Krank glücklich, glücklich krank: »Paradise City & das unentdeckte Land«
Allgemein, Regional (Jena)

Krank glücklich, glücklich krank: »Paradise City & das unentdeckte Land«

Alle sind glücklich oder dürfen sich damit begnügen, ihr Glück zu finden. Hinter den Stadttoren von Paradise City tut sich ein farbenfrohes Fest der Freude auf, wo jede und jeder eingeladen ist, das eigene Wohlbefinden zu steigern. Denn Paradise Citys Bewohner*innen wissen, wovon sie reden, wenn sie einem Tipps zur Selbstoptimierung geben oder von ihrer glückseligen Partnerschaft schwärmen: Die Gemeinde ist vor einem Jahr zur weltweit glücklichsten Stadt gekürt worden. Das wollen die Bewohner*innen mit ihren Gästen zusammen feiern. Es ist eine Zerrwelt, die die Freie Bühne Jena am letzten Juniwochenende im Kulturschlachthof aufgebaut hat, vor Publikum muss sie sich nicht scheuen. „Paradise City & das unentdeckte Land“ heißt das selbst konzipierte Stück – alle kommen hier auf ihre ...
»IM TOD«: Und wie war dein letzter Atemzug?
Allgemein, Regional (Jena), Schlagzeilen

»IM TOD«: Und wie war dein letzter Atemzug?

„Eine Leiche in der Badewanne erinnert sich“: Als wäre das Theaterpublikum an diesem Donnerstagabend zu einer Probe eingeladen, beobachtet es den Regisseur Sankar Venkateswaran dabei, wie er mit seinem Partner Leon Pfannenmüller eine Szene baut, in der ein Toter auf sein eigenes Leben zurückblickt. Das hier uraufgeführte Stück „IM TOD – in my time of dying“, worin sich die beiden Theatermacher in einem Niemandsland zwischen Leben und Tod begegnen, ist eine mehrsprachige Koproduktion des Theaterhauses Jena mit dem Sahyande Theater in Indien, woher Venkateswaran stammt. Die Zusammenarbeit wurde vom Koproduktionsfonds des Goethe-Instituts gefördert. Pfannenmüller und Venkateswaran haben die Texte hierfür selbst verfasst und ihre eigenen Erfahrungen an vielen Stellen autobiografisch in das St...
Theaterhaus und Philharmonie zeigen: »Musik – Etappen einer Skandalgeschichte«
Regional (Jena)

Theaterhaus und Philharmonie zeigen: »Musik – Etappen einer Skandalgeschichte«

Buhrufe drängen aus den Zuschauerrängen auf die Bühne. „Aufhören!“ „Ich will mein Geld zurück!“ Schrille Töne aus Klarinette, Flöte und Tuba steigern sich, während der Dirigent krampfhaft den Takt zählt. Trotz der Zwischenrufe müssen Musiker*innen und Schauspieler*innen nicht beunruhigt sein, denn sie sind kein schlechtes Feedback für die Menschen auf der Bühne, sondern gehören zur Inszenierung. Die Szene auf der Bühne des Theaterhauses stellt die Premiere von Strawinskis „Frühlingsopfer“ nach, die am 29. Mai 1913 im Pariser Théâtre des Champs-Élysées für einen Skandal sorgte. „Musik – Etappen einer Skandalgeschichte“ lautet der Titel des Stücks, das am 16. Februar 2022 seine Premiere feierte. Bedeutende Ausschnitte der modernen Musikgeschichte reiht das Stück mosaikartig aneinander. B...
»Baby don’t hurt me« – Erwachsenwerden unter dem männlichen Blick
Allgemein, Regional (Jena)

»Baby don’t hurt me« – Erwachsenwerden unter dem männlichen Blick

Jena. Am Theaterhaus steht eine überfällige Premiere an. „Baby don't hurt me” heißt das Stück, an dem Regisseurin Susanne Frieling zusammen mit der jungen Laienschauspielerin Anna Schmidt seit nunmehr zweieinhalb Jahren gearbeitet hat. Eigentlich hätte die Premiere schon im April letzten Jahres stattfinden sollen. Ein kurzer Probenbesuch. Die Inszenierung „Baby don't hurt me“, in der es um das Erwachsenwerden eines Mädchens unter dem männlichen Blick ihres älteren Verehrers geht, speist sich aus zwei literarischen Quellen, erklärt der Dramaturg Thorben Meißner. Zum Einen ist da Anna Schmidts Fantasy-Geschichte über die verspielte Melissa Turia, die ihre Zauberkräfte entdeckt. Viele der Zeilen, die der Schauspieler Lukas David Schmidt spricht, stammen wiederum aus Vladimir Nabokovs kont...
„Ich hab’ die Gerechtigkeit lieb, auch wenn es sie nicht gibt“: SLADEK am Theaterhaus Jena
Allgemein, Regional (Jena)

„Ich hab’ die Gerechtigkeit lieb, auch wenn es sie nicht gibt“: SLADEK am Theaterhaus Jena

Sladek ist der Name eines tragischen Helden in einem Stück von Ödön von Horváth. Sladek hält sich für das deutsche Vaterland, oder vielleicht doch nur einen Teil davon. Er ist noch jung, seine Jugend geprägt von Krieg und Inflation. Sladek ist ein Verführter, der gerne „selbstständig denkt“ und nur mit Menschen verkehren möchte, die auch selbstständig denken können. Umso verzweifelter klammert er sich an die handlichen Dogmen, die er sich auf diese Weise zusammengezimmert hat. „In der Natur wird gemordet, das ändert sich nicht.“ Ein Mantra, das zum Mitmischen einlädt. Will heißen: zum Morden. Man könnte gleich fragen: Braucht es wirklich noch eine Theaterinszenierung, die sich mithilfe von Rückblenden in die Weimarer Republik mit dem sogenannten Rechtspopulismus unserer Zeit beschäftig...
NS, NSU, Hanau: Der schier unmögliche Weg zur »mutigen Mehrheit«
Allgemein, Feuilleton, Schlagzeilen

NS, NSU, Hanau: Der schier unmögliche Weg zur »mutigen Mehrheit«

Mit dem wuchtigen Selbsterfahrungs-Theaterprojekt „Die mutige Mehrheit“ sind Antje Schupp, Necati Öziri und ihre Gäste übers Wochenende in Jena zu Besuch gewesen, wo sie in Kooperation mit dem Theaterhaus die städtische Veranstaltungsreihe "Kein Schlussstrich!" zum Terrornetzwerk NSU fortsetzten. Unser Autor hat sich sieben der Panel-Veranstaltungen angehört. Antje Schupps „Deutschkunde 2021“ ist ein Theaterprojekt, in dem es keine Schauspieler*innen gibt. Die Kritik an der Mehrheitsgesellschaft, die darin 10 Jahre nach Auffliegen des NSU erschallt, liegt weniger in der Performance als in der solidarischen Geste, das Jenaer Volksbad für ein zweitägiges Panel zur Bühne für Betroffene rassistischer Anfeindung und ihre Verbündeten zu machen. Die Tagung, die am Wochenende einen Zwischen...
»Der Clowns-Kongress«: Humor wird dich nicht retten
Feuilleton, Regional (Jena)

»Der Clowns-Kongress«: Humor wird dich nicht retten

Das Publikum ist schlecht aufgelegt. Das muss es sein. Leonardo, ein Clown in blassgrüner Lederhose und grellgrüner Perücke, gesteht ein: "Es wird gelacht." Also was gibt es zu meckern? "Es ist nicht das Lachen, auf das man eigentlich hofft." Ein Streit entbrennt im Backstagebereich. Gerda Schaumbacher (Pina Bergemann) möchte das nicht auf sich sitzen lassen: Man kann ein Lachen doch nicht einfach nach seiner Lautstärke bemessen! Mag sein, doch das Dilemma der Clownstruppe ist damit nicht gelöst. Sie fühlt sich, als sei sie aus der Zeit gefallen. Hat sich die Tradition der Clownerie doch durch so viele Epochen hindurch bewährt, erscheint sie heute in Zeiten der Stephen-King-Horrorclowns wie ein Schatten ihrer selbst. Hinzu kommt: Die Provokationen der Harlekine wirken sicher wie eine Zumu...
“Ich glaube an den öffentlichen Raum” – Schauspielerin Elisa Ueberschär über die Krise der Kultur
Allgemein, Feuilleton, Schlagzeilen

“Ich glaube an den öffentlichen Raum” – Schauspielerin Elisa Ueberschär über die Krise der Kultur

Elisa Ueberschär kann als freie Schauspielerin für Theater und Fernsehen ein Lied davon singen, welche doppelten Standards bei Kulturschaffenden angelegt werden, wenn es um Arbeitsverbote zur Bekämpfung der Corona-Pandemie geht. Sie war im Theaterhaus Jena letzten Oktober in der Inszenierung "Zur Wartburg" zu sehen, das bald nach der Premiere aufgrund neuer Kontaktbeschränkungen wieder auf Eis gelegt wurde. Fürs Fernsehen spielt sie unter anderem bei der Kinder-Soap "Schloss Einstein" mit. Ich treffe sie zu einem Videogespräch, um nach einem Jahr Kulturkrise Bilanz zu ziehen. Rettungspakete - eine ungleiche Gewichtung Die Atmosphäre ist entspannt, die Lage ernst. Zu Beginn unseres Gesprächs macht mich Elisa Ueberschär auf ihren Pullover aufmerksam, der die Aufschrift "#monike" träg...
Christa Wolf im Kassablanca: “Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud”
Allgemein, Feuilleton, Regional (Jena), Schlagzeilen

Christa Wolf im Kassablanca: “Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud”

Jena. Diesen Freitag will das Theaterhaus Jena das Stück "Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud" uraufführen, das auf dem gleichnamigen Roman von Christa Wolf aus dem Jahr 2010 basiert. Die Schriftstellerin fiktionalisierte darin eine psychoanalytische Selbstsuche, der sie während einer Rechercheresidenz in Los Angeles in den 90er Jahren nachging. Die Bühnenfassung für das Kammerspiel erarbeiteten die Regisseurin Lizzy Timmers und die Leipziger Gastschauspielerin Charlotte Puder während der ersten Kontaktbeschränkungen, indem sie zunächst über Videochat Passagen aus dem rund 600 Seiten dicken Roman einübten, die zu ihnen sprachen. In der Bühnenbearbeitung geht es unter anderem um die verdrängte Stasi-Tätigkeit von Wolfs Romanfigur. In einem Monolog heißt es von der nachdenkli...
“Zur Wartburg” am Theaterhaus Jena: Kneipenleben und Ostalgie
Allgemein, Feuilleton, Regional (Jena), Schlagzeilen

“Zur Wartburg” am Theaterhaus Jena: Kneipenleben und Ostalgie

In Zeiten der Pandemie wird jedes Stück zum Kammerspiel. Am Theaterhaus Jena wird am Donnerstag "Zur Wartburg" die Spielzeit eröffnen – eine Premiere, die eigentlich schon für den April vorgesehen war und dem Ensemble einen Planungsneustart abverlangte. Im Stück nach einer Idee des niederländischen Theaterkollektivs "Wunderbaum" geht es um ein Jenaer Original aus dem Damenviertel: die Kultkneipe "Zur Wartburg", die sich ihren eigentümlichen DDR-Charme bis zum Wechsel des Betreibers im letzten Jahr bewahrt hatte. Das Publikum muss sich (nicht nur optisch) auf eine gehörige Portion Ostalgie einstellen – und auf die zeitgeschichtlichen Fragen, die sich unter solchen "Käseglocken", wie der Regisseur Walter Bart die Kneipe nennt, aufdrängen. Besonders an der Inszenierung ist nicht nur der l...

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