Dienstag, Dezember 6

Autor: Philipp Janke

Philipp ist 2019 nach Jena gezogen, um hier einen Master in Anglistik abzubrechen. Seine ersten journalistischen Erfahrungen sammelte er im Feuilleton der RNZ.
»Deutschland als Knüppelwort«: Die »Wende« in den Tagebüchern von Thomas Rosenlöcher
Allgemein, Feuilleton, Schlagzeilen

»Deutschland als Knüppelwort«: Die »Wende« in den Tagebüchern von Thomas Rosenlöcher

„Klassisch subversiv“ ist eine Kolumne über Bücher aus der Vergangenheit, die noch immer klüger, kritischer und gewitzter sind als unsere verlogene Gegenwart. Im letzten Artikel der Reihe ging es um Kurt Fassmanns Lyriksammlung Gedichte gegen den Krieg. Der folgende Text entstand zum 32. Tag der Deutschen Einheit. Das Einzige, was die öffentliche Debatte um den Tag der Deutschen Einheit an kollektiver Verkrampfung und Phrasendrescherei noch übertreffen kann, ist eine Debatte um die Debatte um den Tag der Deutschen Einheit. Aber da müssen wir jetzt durch. Im Fokus linker Erinnerung an die „Wende“ steht seit Langem der Bruch zwischen Herbst und Winter 1989, als die „Wir-sind-das-Volk“-Rufe der in Leipzig und anderswo in der DDR versammelten Massen in einen Einheitstaumel umschlugen, d...
Krank glücklich, glücklich krank: »Paradise City & das unentdeckte Land«
Allgemein, Regional (Jena)

Krank glücklich, glücklich krank: »Paradise City & das unentdeckte Land«

Alle sind glücklich oder dürfen sich damit begnügen, ihr Glück zu finden. Hinter den Stadttoren von Paradise City tut sich ein farbenfrohes Fest der Freude auf, wo jede und jeder eingeladen ist, das eigene Wohlbefinden zu steigern. Denn Paradise Citys Bewohner*innen wissen, wovon sie reden, wenn sie einem Tipps zur Selbstoptimierung geben oder von ihrer glückseligen Partnerschaft schwärmen: Die Gemeinde ist vor einem Jahr zur weltweit glücklichsten Stadt gekürt worden. Das wollen die Bewohner*innen mit ihren Gästen zusammen feiern. Es ist eine Zerrwelt, die die Freie Bühne Jena am letzten Juniwochenende im Kulturschlachthof aufgebaut hat, vor Publikum muss sie sich nicht scheuen. „Paradise City & das unentdeckte Land“ heißt das selbst konzipierte Stück – alle kommen hier auf ihre ...
»Mohrenfest« in Eisenberg: Ignoranz und falsche Toleranz
Allgemein, Politik, Thüringen, Überregional

»Mohrenfest« in Eisenberg: Ignoranz und falsche Toleranz

Es hätte eine Szene aus Spike Lees Film Do the Right Thing werden können, wäre das Setting nicht die Thüringer Provinz gewesen: ein brühend heißer Nachmittag, allerorts Menschen auf der Suche nach einem Schattenplatz oder einer Abkühlung – und eine brodelnde Wut über den Rassismus der weißen Mehrheitsgesellschaft. Vom 17. bis 19. Juni veranstaltete die Stadt Eisenberg das „Mohrenfest“ in ihrer Innenstadt. Bierbänke, Weinausschank, eine Bühne mit Live-Musik, zahlreiche Imbisswagen und Vergnügungsmöglichkeiten für Klein und Groß schmücken die Wahrzeichen der kleinen Gemeinde am Samstagnachmittag. Die örtliche Feuerwehr präsentiert stolz ihre Gerätschaften um einen Brunnen herum, an dessen Spitze die Statue eines in Gold gekleideten, halbnackten Schwarzen Menschen steht, der gen Himmel in ei...
Alles wird teurer: Klimapolitik und das Recht auf Stadt
Allgemein, Politik, Regional (Jena)

Alles wird teurer: Klimapolitik und das Recht auf Stadt

Jena. Das bundesweite Recht-auf-Stadt-Forum mit Aktivist*innen wohnungs- und stadtpolitischer Bewegungen fand am vergangenen Wochenende im Kassablanca statt. Zahlreiche Gäste und multimediale Beiträge schmückten das dreitägige Programm, gefördert von der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Am Samstag gab es eine Diskussion zur klimapolitischen Tragfähigkeit des Recht-auf-Stadt-Aktivismus, die Widersprüche und ungelöste Fragen zwischen Umwelt- und Wohnungskrise aufzeigte. Im großen Saal des Kulturzentrums Kassablanca hatte sich am Samstagvormittag ein Panel verschiedener Aktivist*innen aus dem wohnungs- und umweltpolitischen Kontext zusammengefunden. Da sich die Veranstalter*innen aber ein offenes Format wünschten, war kurzerhand ein Stuhlkreis aus den Publikumsreihen gebildet worden. Der sperrig...
»Mannheim war kein Einzelfall«: Antirassistische Demo in Weimar von Polizei gestört
Allgemein, Politik, Thüringen, Überregional

»Mannheim war kein Einzelfall«: Antirassistische Demo in Weimar von Polizei gestört

Weimar. Am Freitagabend folgten rund 600 Menschen einem Demonstrationsaufruf der Gruppe Migrantifa Weimar zum August-Baudert-Platz vor dem Hauptbahnhof. Anlass war eine brutale Polizeikontrolle eines Patienten des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim am 2. Mai. Die Polizei hatte mit dem durch Video einer Zeug*in dokumentierten Einsatz nationale Aufmerksamkeit erregt, weil das Opfer, auf das die Beamt*innen einschlugen, kurz darauf gestorben war. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen wegen Körperverletzung im Amt mit Todesfolge eingeleitet. Da es sich bei dem Mann um einen Deutschen mit kroatischem Migrationshintergrund handelte, gab es letzte Woche an mehreren Orten in Deutschland Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt. Die Botschaft: „Mannheim war kein E...
Ostermarsch: Eine Friedensbewegung als Verteidigungsbündnis
Allgemein, Politik, Regional (Jena)

Ostermarsch: Eine Friedensbewegung als Verteidigungsbündnis

Die Reden auf dem Thüringer Ostermarsch in Jena zeichneten das Bild einer hoffnungslos zerrütteten Friedensbewegung. Die Wurzeln des Problems liegen aber nicht nur in der verzwickten weltpolitischen Lage, sondern auch in der fehlenden Abgrenzung von ukrainischem Nationalismus. Ein Kommentar. An Verurteilungen der russischen Staatsführung mangelte es nicht am vergangenen Samstag. Während die westdeutsche Friedensbewegung vor allem mit Putin-Sympathisant*innen in den eigenen Reihen von sich reden macht, zeigte sich der Ostermarsch in Jena geschlossen in seiner Verurteilung der russischen Invasion der Ukraine. Es kamen bürgerliche wie dezidiert linke Stimmen zu Wort, doch die Uneinigkeit in Fragen des Pazifismus trat selbst innerhalb des bürgerlich-sozialdemokratischen Lagers offen zutage...
»IM TOD«: Und wie war dein letzter Atemzug?
Allgemein, Regional (Jena), Schlagzeilen

»IM TOD«: Und wie war dein letzter Atemzug?

„Eine Leiche in der Badewanne erinnert sich“: Als wäre das Theaterpublikum an diesem Donnerstagabend zu einer Probe eingeladen, beobachtet es den Regisseur Sankar Venkateswaran dabei, wie er mit seinem Partner Leon Pfannenmüller eine Szene baut, in der ein Toter auf sein eigenes Leben zurückblickt. Das hier uraufgeführte Stück „IM TOD – in my time of dying“, worin sich die beiden Theatermacher in einem Niemandsland zwischen Leben und Tod begegnen, ist eine mehrsprachige Koproduktion des Theaterhauses Jena mit dem Sahyande Theater in Indien, woher Venkateswaran stammt. Die Zusammenarbeit wurde vom Koproduktionsfonds des Goethe-Instituts gefördert. Pfannenmüller und Venkateswaran haben die Texte hierfür selbst verfasst und ihre eigenen Erfahrungen an vielen Stellen autobiografisch in das St...
Embargo for Future?
Allgemein, Politik, Schlagzeilen, Überregional

Embargo for Future?

Die Zögerlichkeit der Klimabewegung, massenhaft gegen Aufrüstung auf die Straße zu gehen, müsste uns Sorgen bereiten, wenn Fridays for Future seinen Konformismus nicht schon längst unter Beweis gestellt hätte. Ein Kommentar. Was macht eigentlich die „Generation Klima“ in diesen aufgeheizten und für Frieden frierenden Zeiten? Es ist wahrlich kein Kunststück, eine klare und wohlüberlegte Antwort auf die Frage zu finden, ob der neue Angriffskrieg Russlands zu verurteilen ist oder nicht. Das hat die Bewegung geschafft: Sie stellt sich hinter die Notleidenden in der Ukraine und mobilisiert gegen die Verbrechen von Putins Regierung. Die Abhängigkeit Deutschlands von russischen Öl-, Gas- und Steinkohleimporten steht genauso im Fokus: Diese habe sich nicht nur klimapolitisch als fehlerhaft erw...
Post-Covid-Politik: Der ewige Ausnahmezustand
Allgemein, Feuilleton, Politik, Überregional

Post-Covid-Politik: Der ewige Ausnahmezustand

Erst Corona, dann Krieg: Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine schlittert die deutsche Gesellschaft vom einen Modus nationaler Geschlossenheit in den nächsten. Davon profitiert ein „Antiimperialismus der Mitte“, für den Aufrüstung das Gebot der Stunde ist. Ein Kommentar. Wirtschaftssanktionen gegen die russische Bevölkerung, Wehrpflichtdebatten, Waffenlieferungen in ein Kriegsgebiet, ein 100 Milliarden Euro schweres Sondervermögen für die Bundeswehr, die Option eines deutschen Kohle- und Atomkraft-Wiedereinstiegs, ein EU-weites Verbot russischer Staatssender. Es ist nicht einfach, dieser Tage Schritt zu halten. Auch wenn man sich über den einen oder anderen Vorstoß der Ampelkoalition oder EU-Kommission mit Recht streiten mag: Hier ist eine Welle von Rollbacks losgetreten worden, d...
Gedichte gegen den Krieg: Gesten der Ratlosigkeit
Allgemein, Feuilleton

Gedichte gegen den Krieg: Gesten der Ratlosigkeit

Die Kolumne „Klassisch subversiv“ würdigt Bücher aus der Vergangenheit, die noch immer klüger, kritischer und gewitzter sind als unsere verlogene Gegenwart. Im letzten Artikel der Reihe ging es um Oscar Wildes Gefängnisbrief De Profundis. Worüber das Gewimmel an Solidaritätsaufrufen, Sanktionsforderungen, Spendensammlungen und öffentlichen Diskussionen nicht hinwegtäuschen kann: Ratlosigkeit ist in den ersten Tagen dieses Krieges aufseiten der deutschen Bevölkerung das dominante Gefühl. Das Berliner Maxim-Gorki-Theater hat unter dem Titel „Sprachlos die Sprache verteidigen“ für Samstag eine hochkarätig besetzte Lesung in Solidarität mit der ukrainischen Bevölkerung angekündigt. Das widersprüchliche Motto pflegt einen ehrlichen Umgang mit der allgemeinen Ratlosigkeit: Die Verzweiflung z...

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